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Wie konnte es kommen, daß die Musik Industrie so am Stock geht ? (Juli 2004)

Wenn ich so meine persöhnliche Musik-Historie recherchiere, dann kommt folgendes wieder hoch. Es gab hier in Wiesbaden so vor 20 Jahren (also um 1984 herum) erstaunlich viele CD Läden neben dem Promarkt und den großen Kaufhäusern.

Als dann (ca. 1990) der große Boom abgeflaut war, als also fast alle Deutschen mindestens einen CD Player und die damaligen Main-Stream CDs hatten, wurde es Licht um diese Läden. Nach wie vor gab es aber für DM 9,90 CDs mit 50% Murks und Müll drauf und sogar noch preiswertere CDs mit Unterhaltungsmusik, zum Beispiel für den Sechsfach-Wechsler in Restaurants und Kneipen.

Ausverkauf ......

Und dann machten einige Läden Ausverkauf für DM 1.- und DM 2.- und DM 5.- und ich habe gnadenlos voll zugeschlagen, aber wirklich voll. Damit hatte ich fast das gesamte Portfolio an Schlagern und Unterhaltungsmusik von den Anfängen ab 1950 bis etwa 1990.

Und ich hatte alles, aber auch alles von Gitte über Freddi bis Udo Jürgens und Peter Maffai, James Last und was noch alles. Und vieles doppelt und dreifach, so war das damals schon. Über Geschmack läßt sich trefflich streiten, aber für eine Mark gabs bei mir keine Diskussion. Ich hatte fast 900.- DM ausgegeben und hatte Berge von CDs, die habe ich heute noch. Ich hatte da vielleicht so eine Ahnung ..............

Dann auf einmal wurde auch im Promarkt Wiesbaden ausgemistet, aber viel zu hochpreisig. Andere Läden hatten die CD Abteilungen schon aufgelöst. Das stimmte mich nachdenklich und ich habe den Chef eines großen Fotohauses (damals Kunde von uns) gefragt, warum die das machen und was denn nun los sei. Antwort: Die Lieferanten hätten die Margen drastisch gekürzt, dazu die Preise erhöht und ich sollte mal drauf schauen, ob mir etwas auffällt.

Nennt man soetwas nicht Monokultur ?

Ja, mir fällt auf, auf jeder, aber auch auf jeder CD in den heutigen Märkten steht versteckt oder offen in irgend einer Ecke "BMG".

Das ist die "Bertelsmann Musik Group". Also die waren das, die haben so gut wie alles geschluckt, das es an Wettbewerb in diesem umkämpften Markt überhaupt noch gab. Ein Freund von mir im Promarkt steckte mir dann noch zu, daß die BMG nur noch exclusive Verträge mit verstecktem Wettbewerbs-Ausschluß vergibt, sonst bekommt man die Renner "bekannt aus der Fernsehwerbung" einfach nicht. Und siehe da, gehen Sie mal in den Promarkt oder den Media Markt oder zu Karstadt oder REAL oder Wallmart oder wie Ihr Grossmarkt heißt. Es gibt fast nur noch CDs mit BMG drauf und fast alles der gleiche Einheitsbrei wie vor 20 Jahren. Die 97.te Gitte Remix Kompilation oder die 10 allerbesten Stücke von James Last oder Dieter Bohlen.

Da höre und lese ich doch soeben (Mitte Juli 04), daß BMG und Sony Musik fusionieren wollen und dann ca 22% des Weltmarktes abdecken. Und warum bekommen wir in Deutschland nur noch BMG Produkte, wenn es auch noch 78% andere geben soll ? Wo sind die anderen ?

Für wie blöd halten die von der MI uns eigentlich, daß wir den ganzen Mist nochmal und nochmal kaufen, jetzt aber zum günstigen sagenhaften Sonderpreis von 19,90 - aber Euro !! Das sind (ehemals) DM 40.- Oder im Radio und Werbefernsehen die 100 besten Oldies für den Superpreis von nur 49,90 Euro + 7 Euro Fracht + Nachnahme, also ganz locker mal 120.- Mark. Der Vergleich in D-Mark wirkt immer wieder Wunder.

Sind die von der MI denn alle so bescheuert, uns nur noch für dumm verkaufen zu wollen ?

Ein großer Teil meiner Klassik LPs von DECCA und der Deutschen Grammophone kostete wirklich damals schon von DM 21.- bis DM 36.-. Das sind riesen Teile mit Inlett und Heftchen. Ich habe auch ganze Kassetten mit tollen Scheiben in wirklich guter Qualität, da ist von Karajan bis Boston Pops alles drauf. Sollte ich diese Platten auf CD wirklich nachkaufen wollen, müßte es sie erstmal geben. Und dann habe ich noch haufenweise LPs aus dem Lowcost Angebot. Die gibts als CD überhaupt nicht. Daran krankt es schon mal. Und Euro 40.- ist mir das heute nicht mehr Wert, alles nochmal zu kaufen. Und scheinbar nicht nur mir nicht, die anderen Ex-Kunden der MI sind sicher auch schon aufgewacht und haben beschlossen : Mit mir nicht.

Es erschließt sich mir immer mehr die Erkenntnis, da ist beim Niedergang der MI ein Großteil selbst verschuldet. Blind geworden durch einen phänomenalen Boom in den 80zigern mit gigantischem Profit durch den  Nachholbedarf haben die Macher und Manager den Blick für die Realität und den Wandel des Zeitgeistes verloren. Der Kunde hat sich verändert und der Markt hat sich verändert.

Man kann zwar immer mit geschickter Werbung einen Bedarf wecken, generell aber niemals völlig gegen den Geschmack des Kunden. Wir sprechen hier von Hobby, Freizeit und Genuß durch Musik und nicht von irgendwelchen Haushalts- geräten wie dem Akku-Tisch-Staubsauger, den ich persönlich für absolute Scheiße und absolut überflüssig halte (wegen des Akkus). Eigentlich gehört er verboten.

In der Wirtschaft würde man einigermaßen objektiv den Niedergang der MI mit einer verfehlten Produktpolitik auf Grund eines verschlafenen Käuferverhaltens diagnostizieren. Als vor Jahren in den Banken das Brot und Butter Geschäft bröckelte, wurden alle Hebel in Bewegung gestzt, um neue Produkte zu finden, und zwar bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist und nicht erst danach. Ein Teil der Banken ist mit seinen Kunden zwar auch umgegangen wie die letzten Deppen, aber sie haben das Ruder ganz schnell wieder herumgeworfen und haben dazu auch noch teuer für diesen Mißgriff bezahlt. Lernen die von der MI denn garnichts davon ?

Es ist hier bei der MI ganz deutlich zu sehen, wie ein gigantischer Profit durch Zufall und Glück die Manager erblinden läßt. Es war ein zeitlicher Zufall, daß gerade so um 1980 bei Philips kluge Köpfe die CD fertig entwickelt hatten und daß sie sich dann auch noch mit Sony auf diesen Standard geeinigt hatten. Und der Wirtschaft und den Deutschen ging es zeitgleich richtig gut. Die MI ist mit etwas Glück auf diesen Zug aufgesprungen und hat absolut gewonnen, gigantisch gewonnen. Und dann hatte die andere Seite, nämlich die Kunden, mal wieder Glück mit dem Durchbruch des PC für jedermann. Jeder kann jetzt brennen und kopieren wie es im Gesetz steht, jeder, sogar fast der Dümmste. Ist jetzt natürlich Pech für die MI, aber so ist das mit dem Glück nun mal, mal haben es die einen, jetzt haben es mal wieder die anderen.

Deshalb, auf Glück sollten Sie nie eine Firmenstrategie aufbauen. Und das haben sie getan in der MI. Und jetzt ist ihnen das Glück abhanden gekommen. Etwas abgewandelt könnte man es so formulieren:

Drum denke in der (guten) Zeit, dann hast du in der Not.

Leider ist es dort wie überall in der Industrie, zum Beispiel bei Mercedes oder Porsche oder bei den scheinheiligen Sportlern insbesondere im Fußball:

Erfolg macht blind.


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